Jehovas Zeugen digitaler denn je zuvor

Peine. Die Zeugen Jehovas gestalten ihre Gottesdienste weiterhin per Videokonferenz, auch wenn inzwischen Gottesdienste mit Abstand wieder möglich wären.

Dank moderner Audio- und Videoübertragung haben alle Gemeindemitglieder jede Woche mehrmals die Möglichkeit biblische Vorträge und Videos bei sich zu Hause zu empfangen. Dabei laden digital eingespielte Liedtexte mit begleitender Orchestermusik zum Mitsingen ein. Gemeinsame Gebete habe bei dem Programm ebenfalls stets ihren festen Platz.

Die digitale Gemeinschaft nutzen die Zeugen Jehovas aber auch gerne, um im regelmäßigen Austausch zu bleiben.

Viele Ältere fühlen sich nicht so allein
Vor allem den Älteren wurde mit viel Geduld die neue Technik nähergebracht – und das mit Erfolg. Die 84-jährige Thea Stein aus Peine beispielsweise, die schon seit 1961 ein aktives Mitglied der Peiner Gemeinde ist, freut sich, dass sie rechtzeitig mit Hilfe ihrer jüngeren Freunde digital aufgerüstet hat und nun regelmäßig an den Gottesdiensten per Videokonferenz teilnehmen kann. „Ich freue mich, dass ich das biblische Programm mitbekomme und dass ich meine lieben Brüder und Schwestern wenigstens sehen und hören kann.“


Thea Stein

So wie Thea Stein fühlen auch die übrigen Konferenzteilnehmer, dass sie in der Krise nicht allein sind. Neben biblischen Gedanken wird sich auch über den Alltag und eventuell benötigter Unterstützung ausgetauscht.

Das neue digitale Angebot wird gerne angenommen
Reinhard Peschke, der zusammen mit anderen technikaffinen Personen, die Videokonferenzen eingerichtet hat, freut sich darüber, dass bei der Besucherzahl sogar eine Steigerung zu verzeichnen ist. Mit im Schnitt 120 Videokonferenzteilnehmern pro Gottesdienst nehmen durchschnittlich 15% mehr Personen an den digitalen Gottesdiensten teil als sonst persönlich im Gemeindehaus.


Reinhard Peschke

Technische Hürden übersprungen
Natürlich war es mit einigem Aufwand verbunden, möglichst alle auf dem Weg mitzunehmen. Marco Schneider (26) vom Technikteam berichtet: „Eine besondere Herausforderung war es, zunächst einmal die neue Technik zu verstehen, um z. B. Präsentationen von jw.org in eine Videokonferenz einzubetten. Auch dauerte es einige Tage bis wirklich alle, die das wollten, mit den technischen Voraussetzungen und dem entsprechenden Bedienungs-Knowhow ausgestattet waren. Es war gar nicht so einfach – gerade das ‚Personal Training‘ aus der Ferne heraus. Aber es hat sich wirklich gelohnt!“


Marco Schneider

„Ich schätze die enorme Qualität unserer Zusammenkünfte und hätte es sehr schade gefunden, wenn dies nun wochen- oder gar monatelang ausgeblieben wäre.“
(Karin Brandes)

Die Gemeindemitglieder genießen das neue Angebot
Sabina Kroll (56) aus Feldbergen, die seit Kurzem erst eine Zeugin Jehovas ist, fühlt sich durch das digitale Angebot schon richtig gut mit der Gemeinde verbunden, da sie sich nicht nur zu den regulären Gottesdienstzeiten einschaltet, sondern auch weitere kleinere Konferenzen unter Freunden besucht. Kroll: „Die Videokonferenzen über zoom haben meinen Glauben in der Hinsicht gestärkt, dass bei unserem Gott Jehova nichts unmöglich ist und ihm die Schulung seiner Zeugen so wichtig ist.“


Sabina Kroll

Das kann die 20-jährige Luna bestätigen: „Man merkt einfach, wie gut Jehova für uns sorgt und was für ein schönes Erlebnis es jedes Mal ist.“ Das findet auch ihre Freundin Rebecca (20): „In dieser schwierigen Zeit finde ich es schön, alle zu sehen und auf diesem Weg zusammen zu kommen. Nach dem Programm und den Gesprächen bin ich immer voller Freude und neuer Kraft. Man spürt Gottes Geist dabei.“


Rebecca Peschke

Karin Brandes, Pensionärin aus Ölsburg, geht bei jedem Treffen wieder das Herz auf: „Ich schätze die enorme Qualität unserer Zusammenkünfte und hätte es sehr schade gefunden, wenn dies nun wochen- oder gar monatelang ausgeblieben wäre.“


Karin Brandes

Auch Wolfgang Bähre aus Schwicheldt meint: „Wir rücken in Gedanken und in unseren Herzen noch näher zusammen.“ Wie viele andere Zeugen Jehovas nutzt er nun verstärkt die Technik, um interessierten Personen die Bibel näher zu bringen. Auch da setzt inzwischen so etwas wie Routine ein; er ergänzt: „Es freut mich sehr, dass auch die Bibelschülerinnen und -schülern immer vertrauter und gelassener mit der Technik umgehen können.”


Wolfgang Bähre

Marco Schneider bemerkt einen großen Unterschied darin, einen Gottesdienst lediglich zu streamen oder live dabei sein und mitgestalten zu können. Er freut sich besonders über die aktiven Wortbeiträge vieler Teilnehmer.

Bald wieder im Gemeindehaus?
„Wir wollen uns noch ein wenig gedulden“, sagt Reinhard Peschke. „Auch wenn wir uns theoretisch unter strengsten Abstands- und Hygieneregeln wieder versammeln dürften, bleiben wir lieber umsichtig und nutzen noch eine Weile länger die digitalen Wege, um miteinander in Kontakt zu treten.“

Auch wenn alle die digitalen Möglichkeiten sehr schätzen, freuen sie sich doch schon wieder sehr auf die persönlichen Treffen. „Mir fehlen die herzlichen Umarmungen“, bemerkt Luna und fügt mit einem Schmunzeln an: „Ich vermisse sogar das schiefe und falsche Singen mancher Leute, die man quer durch den Saal hört. So weit ist es schon.“

Bibelkurse werden online angeboten
Die offizielle Homepage der Zeugen Jehovas ist unter www.jw.org zu finden. Die Internetseite hält die Bibel, Artikel zu verschiedensten Themen, Videos und mehr in über 1.000 Sprachen bereit. Wer in einem Selbststudium seine Bibel besser kennenlernen möchte, kann dazu den Onlinekurs auf jw.org nutzen. Wer eher den persönlichen Kontakt wünscht, kann darüber hinaus auch das Online-Kontaktformular ausfüllen. Eine Bibellehrerin oder ein Bibellehrer aus Peine oder der Umgebung nimmt dann gerne den Kontakt auf – per Telefon, online und hoffentlich auch bald persönlich.

 

Fotolegende
Die Interviewpartner von der Gemeinde der Peiner Zeugen Jehovas (Foto: RN)