Interview mit Timon von Fridays for Future Peine

Warum macht ein Fahrrad-Club eigentlich bei Aktionen von Fridays for Future (FFF) gegen Kohlestrom mit, fragte vor gut 8 Wochen ein Journalist. Einfache Antwort: weil Millionen von Pedelecs mit Strom aus Erneuerbaren Energien erst so richtig sauber sind! Bei der letzten FFF-Fahrraddemo überraschte dann Timon Rahr mit einem interessanten Redebeitrag über Energie/Stromproduktion, daher bat ich ihn dazu um ein Interview.

Kannst du dich einmal kurz vorstellen?

Ich bin Timon Rahr, 17 Jahre alt, und Schüler am Ratsgymnasium in Peine. Seit Anfang des Jahres engagiere ich mich bei der Ortgruppe von Fridays for Future (kurz FFF) hier in Peine. Dabei organisiere ich mit anderen zusammen Aktionen und Demos für mehr und besseren Klimaschutz, wir tauschen uns aber zum Beispiel auch mit Politiker*innen aus dem Kreis Peine dazu aus.

Warum bist du Aktivist bei FFF geworden?

Ich hatte das Gefühl, dass trotz so vieler immer stärkerer Anzeichen der katastrophalen Auswirkungen der Klimakatastrophe von Politiker*innen immer noch nichts oder nicht genug getan wird. „Our house is on fire“ aber das einzige, was die Politik tut ist Abwarten und Ausreden suchen.

Anstatt, wie in den letzten Jahrzehnten die Wirtschaft mit allen Mitteln zu retten, sollte jetzt endlich versucht werden auch den nächsten Generationen noch ein vernünftiges Wirtschaften zu ermöglichen.

Du hast auf der letzten Demonstration von FFF in Peine einen Redebeitrag über die Stromerzeugung im Kreis Peine gehalten. Woher weißt du so viel darüber? Wie können auch andere das finden?

Ich habe erklärt, dass der Kreis Peine bei der  Energieerzeugung nicht unbedingt schlecht aufgestellt ist, es aber auch noch Luft nach oben gibt. Es gibt ein kleines Erdgaskraftwerk bei der Zuckerfabrik in Clauen, sowie das große Steinkohlekraftwerk in Mehrum, das wahrscheinlich alle schon mal gesehen haben. Wenn man weiß wonach man sucht, findet man diese Kraftwerke und einige Grunddaten dazu im Internet auf der Kraftwerksliste der Bundesnetzagentur. Das funktioniert aber leider nur für fossile Kraftwerke und große Windparks.

Für alle anderen Anlagen, also vor allem Erneuerbare wie Photovoltaik, werden seit einigen Jahren keine allgemeinen bundesweiten Daten mehr erhoben. Beim Recherchieren dazu habe ich nur das EEG-Anlagenkataster vom Regionalverband Braunschweig gefunden, das aber eigentlich auch nur zum Anschauen gut ist, da es ausschließlich als Karte verfügbar ist.

Das ist jetzt alles eher regional auf den Landkreis bezogen, bundesweit gibt es da ganz andere Ressourcen, zum Beispiel die Visualisierungen zum Strompreis des Thinktanks Agora Energiewende.

Warum sind diese Quellen so unbekannt?

Es ist schon ein relativ trockenes Thema und für viele wahrscheinlich nicht die Mühe wert zu recherchieren. Ich denke aber schon, dass Medien und Energieerzeuger das besser und anschaulicher darstellen können und sollten. Auch ist es hilfreich, wenn diese Informationen im Internet nicht hinter zehn Unterseiten sind, sondern leichter zu finden.

Was für Infos dazu hast du aus der Schule mitbekommen?

Solch ein spezielles Thema kommt natürlich nicht in der Schule vor. Auch Details zur Energieerzeugung kamen nicht wirklich vor. Was aber Thema war, waren Treibhauseffekt und die Grundlagen der Erderhitzung. Meiner Meinung nach ist das aber zu wenig und Erklärungen über die Klimakrise, ihre Auswirkungen und die dahinterliegenden Prinzipien sollten viel stärker in den Curricula verankert werden. Ein ganz großes Problem sind natürlich auch Lehrende die in ihrem Unterricht ganz offen den menschengemachten Klimawandel leugnen, was ich leider immer noch erleben muss.

Wie geht es jetzt mit Fridays for Future weiter?

Wir sind gerade in den letzten Planungen für unseren globalen Klimastreik am 25.09. Wir werden dazu auch hier in Peine eine Fahrraddemonstration veranstalten, die um 16:00 Uhr am Rathaus startet. Gegen 18:00 werden wir am Marktplatz ankommen, wo dann auch Nicht-Fahrradfahrende gerne dazukommen können. Infos zu all diesen Aktionen gibt es in unseren Infogruppen auf Whatsapp, sowie über unseren Instagram-Account. Danach wird FFF weiter für mehr Klimagerechtigkeit kämpfen und auch in Peine werden wir daran arbeiten. Neben der nächsten Demo nach dem 25.09., die bestimmt bald kommt, reden wir zum Beispiel auch mit dem Jugendzentrum Nummer 10 über eine Kooperation.

Vielen Dank für das Interview, Timon.

(Die Fragen stellte Gerd Tostmann vom ADFC Kreisverband Peine)